Hessische Zimmerer-Auszubildende in Schweden

Vom 20.05. - 03.06.2016 waren Marco Seumer und Jan Appenrodt vom Bundesbildungszentrum Kassel erstmals mit 15 volljährigen Auszubildenden des 2. Ausbildungsjahres zum Gegenbesuch im Värmland in Schweden (40 km von der Grenze zu Norwegen).

Mit dem Zug nach Hamburg unterwegs, von dort per Flug nach Oslo wurde die Gruppe von den Schweden in 2 Kleinbussen, die während des gesamten Aufenthalts zur Verfügung standen, abgeholt. Zum Einstand wurden wir nach der Begrüßung und Hinweisen zur Hausordnung durch die Schule und das Gelände geführt.

Fröhlich ging es dann auf einen Campingplatz in Arvika, wo Selbstversorger-Hütten bezogen wurden. Frühstück und Mittagessen gab es unter der Woche im Taserud-Gymnasium, für's Abendessen musste geplant, eingekauft und gemeinschaftlich gekocht oder gegrillt werden - für einige eine neue Erfahrung.

Der schulische Alltag war ausgefüllt mit dem Hand-Abbund eines Fachwerkhauses in der Größe 3 x 4 m, das von Ausbilder Marco Seumer bereits daheim mit DHP geplant wurde. Fleißig wurde gezimmert - beim Aufbau des Gerüstes und des Häuschens packten die schwedischen Jugendlichen kräftig mit an zur Freude der Lehrer, in deren separaten Pausen-Innenhof das Häuschen platziert und mit einem zünftiges Richtfest eingeweiht wurde. Anerkennend gestaunt haben die Schweden überall über die Zunftkleidung, die Klatschlieder, die gelebte Tradition (von der es bei den Schwedischen Zimmerleuten nichts Vergleichbares gibt) !

Nebenbei mussten Ausbildungsinhalte, die während der überbetrieblichen Ausbildung in Kassel neben dem Fachwerkbau noch vermittelt worden wären, einstudiert werden.

Zum Fachprogramm gehörten auch diverse Firmen- und Baustellenbesichtigungen, wobei der Besuch der Blockhausbau-Firma BSE besonders beeindruckend war und besondere Einblicke in die schwedische Holzbauweise gab. Vom ersten Holz bis zur Wandvormontage wurden hier alle Schritte gezeigt. An einem für einen norwegischen Kunden erstellten Blockbau-Wohnhaus mit 364 m² Grundfläche staunten die Gäste besonders über die Dimensionierung der Hölzer: Während in Mitteldeutschland mit 75 kg/ m² Schneelast gerechnet wird, sind es hier 600 kg/ m²! Wow!

Aber auch der Besuch zweier Freilichtmuseen war sehr interessant. Besonders gefiel in Ritamaki, dass man den Restauratoren bei ihren Arbeiten zuschauen konnte.

Die wunderschöne Natur und die Weite des Landes nicht nur aus dem Busfenster bestaunen hieß dann: Rucksack aufschnallen und auf den Glaskogen wandern!  Dort begleitete uns Peter Soltau vom Landkreis Kassel, der den Schwedenaustausch mit europäischen Mitteln des Erasmus-Programms vor Jahren angeregt und initiiert hat, und seine Dienstreise an diesem Tag mit unserem Programm verknüpfte.

Mit Erasmus soll der Europäische Gedanke bei jungen Menschen gefestigt werden - und dies war auch eines der schönsten Erlebnisse: Alle haben sich geduzt, die Zusammenarbeit zwischen Schulleitung, Lehrern, Ausbildern, Schülern und Auszubildenden war durch alle Ebenen ganz fröhlich, locker, unkompliziert und sehr offen und respektvoll. Allen Beteiligten einen großen Dank dafür, dass Arbeit (und das war es definitiv !) auch besonders großen Spaß machen kann.

Wir freuen uns auf den nächsten Besuch Ende April 2017!