Neuer Kran

Wir freuen uns sehr darauf, modernen Holzhausbau mit der Abbundmaschine, den Wendetischen und der Anlage für die Einblasdämmung in Ausbildung und Meisterschule integrieren zu können. Von Anfang an bestand im Ausbilderteam aber auch der Wunsch, nicht nur die Arbeitsschritte im Betrieb abzubilden, sondern auch die Montage realistisch zu simulieren. Dafür wurden im Außengelände neben Halle 5 Fundamente geschaffen, auf denen die  Übungshäuser aufgebaut werden können. Zunächst war für die Montage ein stationärer Säulenschwenkkran angedacht. Dieser wäre aber sehr unflexibel und außerdem zur Darstellung von Baustellensituationen äußerst unrealistisch gewesen. Die weiteren Planungen konzentrierten sich auf die Anschaffung eines Anhängerkrans. Dass es solche Krane inzwischen mit Personensicherungsmodus gibt, weckte den Wunsch, auch moderne Sicherungsmethoden gegen Absturz zeigen zu können. Nach ersten Verhandlungen mit einem Hersteller wurde schnell klar, dass Anhängerkrane in einer Preisklasse liegen, die uns und unseren Fördergeldgebern Bauchschmerzen bereitet hätten. Dieser Traum schien damit ausgeträumt. Auf einen Insidertipp hin wurde vorsichtig ein weiterer Kranhersteller angesprochen. Nachdem wir unser Vorhaben skizziert hatten, kam die Überraschung: Wir bekommen einen Kran mit Personensicherungsmodus kostenfrei zur Verfügung gestellt. Ein Gerüsthersteller überlässt uns das komplette, für die Errichtung der Häuser erforderliche Gerüst. Mehrere Maschinenhersteller versorgen uns mit aktuellen Maschinen. Für diese großzügige Unterstützung im Hintergrund möchten wir uns an dieser Stelle ganz herzlich bedanken!

Der neue Kran der Firma Klaas, ein K23-33 TSR City, wurde rechtzeitig zum Verbandstag Hessischer Zimmermeister und zum Holzbaukongress am 5. und 6. April 2019 gebracht. Dadurch konnten auch gleich die vielen Möglichkeiten demonstriert werden, die uns dieser Kran bietet. Ein Video dazu gibt es hier. Er kann mit einer Hubarbeitsbühne ausgestattet werden, die ein Arbeiten in 25 m Höhe erlaubt. Außerdem verfügt der Kran über einen Personensicherungsmodus. Das heißt, dass er eingesetzt werden kann, um Mitarbeiter auf Arbeitsplätzen am Kran zu sichern, an denen andere Sicherungsmethoden ausscheiden.

Ein typisches Beispiel für einen solchen Arbeitsplatz ist das Anschlagen von Holzhauswänden auf der Baustelle. Da sich die Ladung verändert, kann dort kein Gerüst zum Einsatz kommen. Anschlägerin oder Anschläger arbeiten in Höhen von bis zu 4,00 m und mehr. Die Wände sind schmal, oft unterschiedlich hoch. Bei Längenunterschieden gibt es Lücken zwischen den Wänden. Bandschlingen oder sonstige Anschlagpunkte stellen Stolperfallen dar. Ein Absturz aus dieser Höhe könnte schlimme Folgen haben. Wenn die Gefährdungsbeurteilung ergibt, dass der Personensicherungsmodus die Maßnahme mit dem geringsten Restrisiko ist und die Mitarbeiter im Umgang damit unterwiesen sind, kann die Sicherung am Kran erfolgen. Dabei sind eine ganze Reihe Randbedingungen einzuhalten. Nähere Informationen dazu gibt es hier.

Um den Anschläger zu sichern, schaltet der Kranführer die Steuerung in den Personensicherungsmodus um. In diesem Modus ist die Bewegungsgeschwindigkeit herabgesetzt, damit der zu Sichernde nicht versehentlich durch eine unbedachte Bewegung aus seiner Position gezogen wird. Am Kranhaken und zusätzlich am Kranseil ist ein Höhensicherungsgerät (HSG) angeschlagen, das wie ein Automatikgurt funktioniert. Es lässt dem Gesicherten große Bewegungsfreiheit. Bei einer Beschleunigung wie bei einem Sturz würde der Bremsmechanismus auslösen und den Sturz auffangen. Während des gesamten Entlade- und Richtvorgangs ist das HSG zusammen mit den Anschlagmitteln am Kran fixiert. Möchte der Anschläger aufsteigen, zieht er den Karabinerhaken des HSG mit einer Reepschnur zu sich herunter und schlägt sich mit seinem Auffanggurt daran an. Da das HSG eine bestimmte freie Höhe benötigt, um einen Sturz vor dem Aufprall abzufangen, ist der Anschläger beim Aufstieg auf der Leiter nur eingeschränkt geschützt. Würde er hier bereits abrutschen, käme es wahrscheinlich noch zum Bodenkontakt, aber die Folgen wären nicht so gravierend wie bei einem freien Fall. Oben auf der Ladung bewegt er sich gelassener, weil er weiß, dass ein Absturz aufgefangen würde. Anders als bei fixen Anschlagpunkten für die Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) ist die Rettung eines Gestürzten bei der Sicherung am Kran wesentlich einfacher. Er kann einfach mit dem Kran an einem sicheren Ort abgelassen werden. Ein längeres Hängen im Auffanggurt mit der Gefahr eines gefährlichen Hängetraumas ist damit nahezu ausgeschlossen. (Ausführliche Hinweise zu PSAgA und zu Erste-Hilfe-Maßnahmen stehen in unserem zweiseitigen Merkblatt Absturzsicherungen.)